Gehirngerechtes Lernen

Gehirngerechtes Lernen

orientiert sich an den Erkenntnissen der Neurobiologie. Was manche PädagogInnen und PsychologInnen wie Pestalozzi, Fröbel, Piaget, Dewey, Korczak, Freire und viele andere längst schon vorausgedacht hatten, findet nunmehr seine wissenschaftliche Absicherung. Neue Methoden der Gehirnforschung wie zum Beispiel die so genannten bildgebenden Verfahren erlauben einen Einblick in die Denkvorgänge unseres Gehirns. Handlungen, Gefühle und Haltungen werden so greifbarer. Die neueste medizinische Technik und Forschung hilft uns dadurch Umstände zu erkennen, wann und unter welchen Bedingungen Lernen gelingen kann und unter welchen Umständen Lernen geringere Chancen hinsichtlich eines Kompetenzgewinns hat. Die daraus bislang gewonnenen Erkenntnisse zeigen aber auch Mängel vieler konventioneller Lehr- und Erziehungsmethoden auf.

Kurz gesagt, ein Lernen kann nur dann erfolgreich sein, wenn es gehirngerecht erfolgte.  Ein Lernszenario muss unbedingt authentisch sein und es muss den Lerner in seinem Dasein direkt betreffen. Lernen bedeutet aber nicht nur das Sammeln und Generieren von Wissen, sondern es geht um Erfahrungen, Erkenntnisse, Einsichten und Haltungen, Prozesse, die  meist als „Demokratie lernen und leben“ bezeichnet werden.  Lernen unter primärer Nutzung mimesischer oder euphemistischer Mittel, oder gar sog. „Second-Hand-Erfahrungen“, wie sie Schulen häufig anbieten, weist aber, eindeutige Probleme auf. D.h. bspw. auch, dass kein Theaterbesuch, kein Film, keine Literatur, keine Verniedlichung, keine plakative Warnung vor Tabakgenuß oder dem Missbrauch von Drogen und auch kein Besuch von Konzentrationslagern, einen nachhaltigen Attitüdenwechsel beim Menschen herbeiführen kann.

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...ältere und neuere Gehirnteile entscheiden über unser ganzes Leben...

Sich auf das gehirngerechte Lernen einzulassen bedeutet demnach für viele Lehrer wie Erzieher:

Viele in der Regel angewandten und liebgewonnenen Methoden abzulegen. Das fällt zahlreichn PädagogInnen schwer, was wiederum auf die eigenen, dem gehirngerechten Lernen entgegen-gesetzten Lernerfahrungen aus der Jugend zurückzuführen ist. Das zu überwinden und damit der evolutionären Emergenz ein Schippchen zu schlagen, wäre also das Gebot der Stunde, wenn wir nicht wollen, dass sich unsere Umwelten und das gesellschaftliche Miteinander in immer rascheren Tempo negativ weiterentwickeln.

Andererseits ist das gehirngerechte Lernen, kein „Grashalm“  zur Bewältigung von Krisen, die LehrerInnen zu Berufsfrust, Burnout und ähnlichen Erscheinungen geführt haben. Diese Defizite haben ihre Wurzel meist im (latent) autoritären Verhalten der Lehrenden selbst, wobei Wahrnehmungsbeschränkungen und mangelnde soziale Kompetenz einen Selbstlernprozess in der Regel behindern.

Buchempfehlung zur Wirkungsweise des Gehirns

Warum also gehirngerecht Lernen? Nun, nicht alles, was um uns herum geschieht, erreicht unser Langzeitgedächtnis – das ist jedoch die Bedingung, wenn Kompetenzerwerb und Nachhaltigkeit angestrebt werden. Eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Gehirnforschung ist, dass Informationen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen in das Langzeitgedächtnis übertragen werden können: bewusste Wahrnehmung (Aufmerksamkeit) ist dabei ebenso wichtig wie eine ausreichende Verknüpfung mit bestehenden Wissensstrukturen. Das handlungsorientiert, autonome Lernen ist deshalb zu bevorzugen.

Genaugenommen sollte man immer von Gehirn- und Genforschung  im gleichen Atemzug sprechen, denn es sind die Hormone und Botenstoffe die aufgrund der ererbten Summe an DNA/DNS die elektromagnetischen, wie chemischen Prozesse steuern, die unsere Talente und Defizite, unseren Charakter unsere Wahrnehmungsfähigkeit und unser Handlungsradius ausmachen.

Der amerikanische Erziehungswissenschaftler John Dewey (19./20. Jh) hat diesbezüglich schon sehr früh eine erfolgreiche gehirngerechte Strategie entwickelt. Um die Umsetzung von Lerninhalten zu gewährleisten entdeckte er das Paradoxon des „Lernen als Nebenertrag“ (= Nonlineares Lernen), dass er wissenschaftlich beschrieb und es in der pädagogischen Praxis auch erfolgreich anwendete.

Einige Beispiele bei der die Eigenleistung des/der SchülersIn jeweils im Vordergrund steht:

Sind sie notwendig?
Auszug aus Pester Lloyd

1. Man lernt Biologie – und gelangt über die Erkenntnis, dass alle Menschen untereinander verwandt sind, schließlich selbstständig  zur Einsicht wie sinnlos Rassismus eigentlich ist. >>> Ausstellung  „Alle verwandt – alle verschieden.

Über das Interesse (Motivation) am Thema, lernt man nahezu unbewusst auch die Zielsprache.

2. Man erlernt eine Fremdsprache – und verwendet dabei Inhalte der politischen Bildung oder andere die Jugendlichen ansprechende, lebensnahe Themen, die man dann kontrovers diskutiert – einerseits erfolgt ein Gewinn an Ethik, Moral, Menschenrechte – genauso werden politische Hintergründe und Zusammenhänge deutlich, die der Politikverdrossenheit und Demokratieabkehr der Jugendlichen entgegenarbeiten. Gleichauf lernen die SchülerInnen nahezu spielerisch, Fremdsprachenkompetenz und Interkulturelles auf hohem Niveau.

3. Beispiel aus dem DaF/DaZ Unterricht: alle Schüler produzieren nach eingehender Diskussion eigene Texte aus Ihrer Lebenswelt, dessen Entstehungsprozess sich dann als Podcast bzw. Vodcast eignet, oder deren Ergebnis in einer lokalen Zeitung publiziert wird, wie hier im Ausschnitt des Pester Lloyd aus Budapest über Vorteil und Nachteil von Schulnoten.

[ audio understandingbrain] 15:00:03

00:02:05


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