Lernen/Erwerben

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...und so lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss...!

Lernen ist ein viel zu allgemeiner Begriff. In der Regel meint man damit das Auswendiglernen. Das sog. mechanische Memorieren, wie es die Pädagogen auch nennen, ist jedoch nur eine Facette des Lernens. Sie eignet sich auch nicht für jedermann. Mädchen sind in der Regel darin bevorzugt. Andererseits benachteiligt diese Lernmethode den Kompetenzerwerb, was später noch erörtert wird. Seit wenigen Jahren kennt Gehirnforschung die biologischen Vorgänge  beim Lernen, die sich als eine wahre Revolution herausgestellt haben.

Warum? Unser Gehirn lernt in Wirklichkeit bei jeder Wahrnehmung und das, ob wir es wollen oder nicht. Schwierigkeiten macht uns dabei aber das Erinnerungsvermögen. Denn das meiste landet im Unterbewusstsein und beherrscht von dort aus, zumindest indirekt, alle unsere künftigen Entscheidungsprozesse. Die Evolution will es so, damit wir nichts, was in Zukunft einmal für das Überleben wichtig sein könnte, vergessen wird. Viel wichtiger für die Bewältigung unseres Alltages ist aber dasjenige Wissen, das schell abrufbar ist. Damit meint man das Bewusstsein, also den Bereich in unserem Leben, in den wir unter ganz bestimmten, günstigen Bedingungen aktiv eingreifen können.
Das effizienteste Lernen erfolgt durch Prägung. Wir lernen dabei durch Imitation. In Form des handlungsorientierten Lernens prägt man sich Kenntnisse und Wissen deshalb besonders leicht und besonders intensiv ein – (siehe „Handlungsorientiertes Lernen“). Wir lernen also bewusst oder unbewusst den ganzen Tag über, ja selbst im Schlaf passieren Lernprozesse, die wir gar nicht stoppen können. Das weist auf die Fremdsteuerung hin, der wir mehr oder weniger alle unterliegen. Fremdsteuerung ist übrigens eines der großen wissenschaftlichen Diskursthemen dieses Jahrzehnts. Es geht dabei um die Frage nach der Eigenverantwortung des Einzelnen, die Fremdsteuerung durch die ererbte Gene, die über die Hormone und Neurotransmitter (Botenstoffe) unsere Handlungen und Empfindungen steuern. So gibt es bspw. sehr viele Menschen die aktiv nicht lernen wollen bzw., nicht lernen können, zumindest nicht in der Form, die man sich schulischerseits von ihnen wünscht. Diese Menschen sind deshalb nicht dumm, sondern sind bloss ein völlig anderer Lernertyp.

lernpyramideDas konventionelle Lehren erreicht bloß 5%  Wirkungsgrad bei den Menschen. Hingegen etwas selbst zu tun hat einen Wirkungsgrad von 75% – 90% und beweist damit den  außergewöhnlichen Vorteil handlungsorientiertem Lernens.

Genaugenommen ist das konventionelle Lernen, bei dem der Lehrer ständig belehrt, nicht zuhört und nicht moderiert, sondern primär vorträgt und diszipliniert für den unbefriedigenden Zustand der heutigen Gesellschaft mitverantwortlich. Wenn wir also die Gesellschaft und die Umwelt verändern wollen, weil wir mit den bisher erzielten Ergebnissen unzufrieden sind, so müssen wir zunächst unsere Einstellung zum Lernen ändern. Elternhaus, Schule und Gesellschaft müssen sich diese vollkommen neuen Erkenntnisse erst erarbeiten. Das heißt soviel, wie weg vom Auswendiglernen, weg vom schulischen Wettbewerb, weg vom Frontalunterricht und dem Primat des Grammatiklernens und nicht zuletzt weg vom in Kategorien eingeteilten, schematisiertem Wissenserwerb.
Wir können das Wissen um die Lernvorgänge im Gehirn heute dazu nutzen, dass das Lernen bzw. seine Vorteile bewusster vermittelt werden können. Das hilft dem Lehrer, der Lehrerin die Botschaft effizienter zu transferieren, insbesondere aber zu erkennen, wenn Lehrbemühungen nahezu zwangsweise ins Leere laufen.

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