Ein Interview mit Renate Welsh

welsh1Die Schriftstellerin Renate Welsh wurde 1937 in Wien geboren. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre Mutter. Mit fünf fing sie an, Geschichten zu schreiben. Nach der Matura 1955 begann Welsh, an der Universität Wien Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften zu studieren, brach aber zwei Jahre später ab, heiratete und arbeitete als freiberufliche Übersetzerin beim British Council in Wien. Ihr erstes Buch „Der Enkel des Löwenjägers“ erschien 1970 und kam auf „Die Ehrenliste zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuch“. Seitdem hat sie nicht nur Bücher für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene (z.B. „Die schöne Aussicht“, 2005) geschrieben. Für ihre Werke erhielt sie viele Auszeichnungen, z. B. für „Johanna“ (1979) den Deutschen Jugendliteraturpreis. „Dieda oder Das fremde Kind“ (2002), wofür sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bekam, handelt von ihrer eigenen Kindheit im Zweiten Weltkrieg. Auch andere Veröffentlichungen behandeln ernstere Themen, z.B. „Sonst bist du dran“ (1994), in dem es um Gewalt an der Schule geht. Ihr populärstes Buch ist wahrscheinlich „Das Vamperl“ (1979), von dem es auch Fortsetzungen gibt („Vamperl soll nicht alleine bleiben“,1992 und „Wiedersehen mit Vamperl“ ,1998).

Neben ihrer Schriftstellerei organisiert sie Schreibwerkstätten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Seit 2006 ist sie Präsidentin des Schriftstellerverbandes IG Autorinnen Autoren. Renate Welsh wohnt immer noch in Wien, hat drei Söhne und zwei Enkelkinder.


Renate Welsh ist die Autorin vieler Jugendbücher. Sie lebt in Wien, Österreich. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt. Sie reist oft ins Ausland um dort Schreibwerkstätten zu geben.

Guten Tag Frau Welsh! Was für Geschichten schreiben Sie?

Für ganz junge Leser Märchen oder Kurzgeschichten über Tiere. Für ältere Leser Romane über Themen aus dem wirklichen Leben.

Können Sie ein Beispiel geben?

Max der Neue handelt von einem Jungen, der mit seiner Mutter in eine fremde Großstadt zieht. Seine Eltern sind geschieden. Am Anfang hat er Angst vor all den neuen Eindrücken. Er zieht sich auf sein Zimmer zurück. Aber dann bekommt er Freundschaft mit einem Mädchen und traut er sich in die neue Welt hinein.

Im Spinat auf Rädern (=Spinat kommt aufs Dach?) kommt ein ausländisches Mädchen nach Österreich. Zuerst wird sie gehänselt, aber sie fasst sich Mut und bekommt Selbstvertrauen.

Oder: ein Mädchen hat eine krebskranke Oma. Zuerst weiß sie nicht, wie sie damit umgehen muss. Aber sie lernt, die Oma zu verstehen, die Krankheit und den Tod zu akzeptieren. (Eine Hand zum Anfassen).

Wie Wissen Sie das alles?

Als junges Mädchen habe ich zuhören gelernt. Mein Vater war Arzt. Ich durfte die Medikamente zu den Patienten bringen. Dann haben mir sie Leute viele Geschichten erzählt und Fotos gezeigt. Ich frage und lese (recherchiere) auch viel. Für das Buch Johanna habe ich lange Zeit auf einem Bauernhof gearbeitet. Ich wollte die Rückschmerzen spüren, die man bei der Arbeit am Bauernhof hat.

Was machen Sie in den Schreibwerkstätten?

Ich zeige zum Beispiel ein Bild. Dann müssen die Teilnehmer etwas zu diesem Bild schreiben. Nicht über das Bild! Das lese ich nachher vor. Die Kinder schreiben so die schönsten Gefühle und Gedanken auf. Und das kommt nur durch ein Bild!

Lesen Sie auch vor?

Ja, gerne! Ich vergesse nie, dass ein Schüler zu mir sagte: „Wenn du das nicht geschrieben hättest, dann hätte ich nicht gewusst, dass ich es gedacht habe!“ Das war die schönste Belohnung von einem Leser!

Bekommen Sie viele Briefe?

Ja, jede Woche einen hohen Stapel aus der ganzen Welt. Alle Briefe beantworte ich persönlich. Das kostet viel Zeit, aber ich finde es wichtig: Ein Kind schreibt mir persönlich, welche Probleme es hat. Dann verdient es meine Schulter als Unterstützung oder mein Taschentuch zum Heulen: „Kind, du hast ein Recht dazu!“

Danke, Frau Welsh.



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