Niederbayrisch für Anfänger

Wer spricht eigentlich Deutsch? Deutsche, Österreicher, Schweizer und noch ein paar mehr? Diese Antwort ist nur teilrichtig.

Wer spricht eigentlich Deutsch? In Deutschland nicht viele. Deutschland ist geprägt von regionalen Dialekten. Deutsch zu lernen, heißt noch lange nicht, verstehen zu können, was Deutsche sprechen. Das sogenannte Hochdeutsch hat sich aus der lokalen Umgangssprache  des Raumes zwischen Hannover-Kassel heraus entwickelt. Das kann man heute noch verfolgen, weil dort Hochsprache und lokaler Dialekt nur marginal zu unterscheiden sind. Das Deutsch in Süddeutschland ist wohl deshalb so ganz anders, weil dort bis weit ins 1. Jahrtausend das keltoromanische vorherrschend war. So sagen die Italiener bspw. heute noch Monaco di Baviera zu München. In manchen Tiroler Dörfern muss  nach  DaF prinzipien, also Deutsch als Fremdsprache gelernt, weil die jungen Leute eindimensional – und damit wenig gehirngerecht – nur mit Dialektkenntnissen aufwachsen.

Menschen mit deutscher Muttersprache können mit ein wenig Mühe benachbarte Sprachen, wie das Flämische, das Dänische, Isländische, Norwegische und Schwedische durchaus verstehen. Dasselbe gilt auch umgekehrt.  Selbst in den anderen slawischen Nachbarsprachen und selbst im Ungarischen gibt es eine sehr hohen Anteil an germanischen Lehnwörter. Sprachen sind also im Fluss sie verändern sich eigentlich täglich. Das ist gut so weil es einen Barometer menschlicher Entwicklung darstellt. Die Dialekte wiederum sind Reste aus der Vergangenheit, die uns an die Wurzel unserer Kultur zurückführen können.

Anhand des Niederbayerischen Dialekts können Sprachenlernende und Sprachinteressierte herausfinden, was sie überhaupt verstehen würden. „Niederbayrisch für Anfänger“ bietet darüber hinaus auf humorvolle Weise eine kleine Einführung in diese Sprache: Wo im Hochdeutschen das Männliche und das Sächliche, also der Mann und das Haus als ein Mann und ein Haus mit dem selben Artikel, alles Weibliche, wie „die Frau“ hingegen als eine Frau beschrieben wird, ist im Niederbayerischen bei „a“ und „an“ alles anders. Aber konsequent. Auch die auf den Ort bezogenen Präpositionen, wie z.B. „ummi“, „auffi“, „obi“, führen hier ein Eigenleben ­ mit klaren Regeln.

Mit der Legende, die Menschen würden nur in klaren Sätzen, im Präsens oder der einfachen Vergangenheit sprechen und die anderen Formen zu lernen wäre überflüssig, wird in diesem Film schnell aufgeräumt. Denn auf die Frage: „Du hättest keine Tasse Kaffee nicht für mich?“, sollte man als guter Gastgeber schon gleich mit der Kanne erscheinen.

Wussten Sie übrigens, dass man einen Dialekt nur in ganz jungen Jahren erwerben kann? Was bisher als ein Rätsel galt, konnte durch die Gehirnforschung ganz klar nachgewiesen werden. Nur im frühkindlichen Alter ist das Gehirn in der Lage Sprache besonders leicht zu erwerben. Sogar zwei oder noch mehr Sprachen sind möglich, ein Vorteil, den sich die moderne Sprachpädagogik zu Nutze macht. Wenn man jedoch nur eine Sprache oder nur einen Dialekt gelernt hat, kann man später nur unter größten Schwierigkeiten eine Fremdsprachen (auch nicht die Hochsprache) erlernen. Schulen, die mit der ersten Fremdsprache erst im Laufe der Pubertät beginnen, haben damit so gut wie keine reellen Chancen, dass diese auch sinnvoll angewandt werden können.“Niederbayrisch für Anfänger“ ermöglicht auf unterhaltsame Weise einen Einblick in den Dialekt, die Kultur und stellt dem Zuschauer die Frage: „Ist es für den Reisenden in Bayern wirklich notwendig, perfektes Hochdeutsch zu sprechen, wenn mich sowieso niemand versteht?


Der Film wird von einer Expertin für das Niederbayrische gemeinsam mit einem professionellen Regisseur produziert, untermalt von einer kleinen Gruppe von Kindern aus dem Landkreis Regen. Im Mittelpunkt des Subprojektes steht das Produkt „Film“ als Lehrmittel.

Darsteller: Anna Achatz (Trailer und Film), Betina Zauhar (Film), u.v.m.

Regie: Peter Sterl, arthefact e.V.


>>>Didaktische/Dramaturgische Anweisungen


>>>Evaluierungen der Beteiligten


>>>Neurophysiologischer/Neurodidaktischer Befund


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Eine Antwort

  1. Da habe ich jetzt doch ein wenig schmunzeln müssen…und obwohl es ja doch ein paar feinere sprachliche Nuancen zwischen Geibon und Woid gibt, habe ich alles verstanden. Sehr gut. Weiter so. Sobald ich dazukomme, werde ich darüber in meinem Blog berichten. LG, WilderKaiser

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